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Urban bitLife ist ein Projekt zur Sensibilisierung gegenüber Umwelteinflüssen im Raum Wien durch virtuelle Lebewesen auf dem Mobiltelefon. Der Klingelton und eine visuelle Repräsentation am Handy spiegeln den Gesundheitszustand des Wesens wider und machen auf die Luftqualität der aktuellen Umgebung des Handybesitzers und “urban bitLife Anwenders” aufmerksam. Durch das zusätzliche Abrufen von Messdaten im gesamten Stadtbereich und das Aufsuchen günstigerer Gebiete kann das Befinden des Tieres wieder verbessert werden.
Teilnehmer von Urban bitLife können anfangs im Internet zwischen verschiedenen Tieren wählen. Jedes Tier bringt bestimmte Attribute mit sich. Die Resistenz des Tieres desfiniert die Überlebenschancen in den Konzentrationen verschiedener Gase und Schadstoffe: Manche sind resistenter gegen Feinstaub, andere gegen Ozon, usw. Weiters besitzt jedes Tier eine spezifische Klangkulisse die später als Klingelton am Mobiltelefon repräsentiert wird. Zuletzt hat jedes Wesen auch ein bestimmtes Aussehen.
Nachdem ein Tier ausgewählt und auf das eigene Mobiltelefon geladen wurde, beginnt der Lebenszyklus des Tieres. Die Position des Mobiltelfons des “urban bitLife Anwenders” legt von nun an den “Aufenthaltsort” des Tieres fest und interpolierte Feinstaub-, Ozon- und Stickstoffdioxidwerte der Messstationen der Stadt Wien beeinflussen dabei das Befinden des Wesens: Ist die Konzentration dieser Gase und Schafstoffe hoch vermindert sich die Lebenskraft des Wesens.
Der Anwender wird auf diesen Ablauf durch den Klingelton seines Handys aufmerksam gemacht. Zu Beginn hat das Tier volle Gesundheit und einen “reinen” Klang. Unterschreitet die Energie des Tiers durch steten Aufenthalt in ungünstiger Umgebung einen Schwellwert, so ändert sich der Rufton. Je weiter die Energie sinkt, desto “verschmutzter und unreiner” wird der Klingelton.
Möchte der Anwender den Status seines Tieres auch zwischen Anrufen abrufen, so kann er jederzeit ein Bild seines Tiers und Grafikelemente die seine Lebenskraft veranschaulichen auf sein Mobiltelefon laden. Damit der Anwender in den Ablauf eingreifen und die Gesundheit des Tiers wieder verbessern kann, enthält die Nachricht auch Information über Orte in der Stadt an denen aktuell besonders niedrige Luftbelastung herrscht. Besucht man diese Orte wird sich das Tier schnell regenerieren und auch der Klingelton wird wieder “rein” werden.
TECHNISCHE VORAUSSETZUNGEN um Teilnehmer von urban bitLife zu werden
* Zugang zum Internet
* Mobiltelefon mit GPS und Unterstützung von MP3-Klingeltönen
DATENFLUSS
Um Teilnehmer von “urban bitLife” zu werden muss zunächst die nötige Software aus dem Internet geladen und auf dem Mobiltelefon installiert werden. Nachdem der User sich online ein Tier ausgesucht hat, lädt er sich dieses auf sein Handy. Ab diesem Zeitpunkt ist das Tier erschaffen und “lebt” auf dem Mobiltelefon, der Klingelton ist bereits durch den Laut des Tieres ersetzt worden. Der Lebenszyklus des Tieres ist initiiert, ist allerdings nur aktiv wenn ein GPS-Signal verfügbar und dadurch die Position des Handys ortbar ist. Da in Innenräumen die Belastung der gemessenen Schadstoffe ohnehin gering ist, ist die Aktualisierung des Lebensstatus und der damit verbundene Datenfluss nur sinnvoll, wenn das Wesen “im Freien” ist und so durch GPS lokalisiert werden kann. Reißt das GPS Signal ab, wird der aktuelle Zustand des Tieres gespeichert und der Lebenszyklus eingefroren. Der Klingelton gibt ebenfalls den zuletzt gespeicherten Zustand wider.
Um die Konzentration der Schadstoffe und Gase an der GPS-Position des Benutzers zu ermitteln, werden die Messwerte der 17 Messstationen der Stadt Wien herangezogen (Messstationen der MA22). Diese sind an repräsentativen Stellen in Wien positioniert und spannen ein Messnetz über ganz Wien auf: “Überwachung der Luftqualität in den am dichtest besiedelten Stadtteilen. Eine Messstelle beschreibt die Luftsituation im Umkreis von 2 km. Mehr als die Hälfte der Messstellen sind extrem verkehrsexponiert. Insgesamt wird die Luftsituation von 1,6 Millionen Einwohnern erfasst.” (Messstellen des Wiener Luftmessnetzes).
Die Messdaten werden von der MA22 stündlich bzw. halbstündlich aktualisiert. Im selben Takt wird auch der Wert für die aktuelle Position des Benutzers abgerufen und der Status des Tiers sowie der Klingelton angepasst. Die GPS-Position wird an den “urban bitLife” Server gesendet und dieser sendet die entsprechenden Werte für Feinstaub, Ozon und Stickstoffdioxid an dieser Position an das Mobiltelfon zurück. Dies geschieht über einen TCP Port, der für die Anfrage geöffnet wird. Die Abfrage läuft im Hintergrund, der Benutzer bemerkt davon nichts.
Da der User nur bei einem eingehenden Anruf durch den Klingelton auf das Befinden seines Tiers aufmerksam gemacht wird, soll zusätzlich die Möglichkeit bestehen, auch zwischen Anrufen den aktuellen Status abzufragen. Sendet der Benutzer eine SMS den Server, so bekommt er sogleich ein Statusbild des Tiers und Informationen über dessen Energie auf sein Handy gesandt. Damit der User auch selbst in den Ablauf eingreifen kann, enthält diese Nachricht Informationen über die Orte mit der derzeit geringsten Luftbelastung.
Das Ziel ist, den Benutzer darauf aufmerksam zu machen welche Wege er in der Stadt zurück gelegt hat und in wie weit er damit seinem Tier und längerfristig gesehen auch sich selbst schadet oder nützt. Da die Gesundheit des Tieres nur durch die Position des Benutzers und die dort vorherrschende Luftqualität bestimmt wird, ergibt sich für den Benutzer selbst eine Art “Gesundheitsspiegel”. Ähnlich wie Bergarbeiter früher Kanarienvögel in den Stollen mitnahmen um bei Gasaustritten rechtzeitig den Tunnel zu verlassen, ist urban bitLife sozusagen ein Frühwarnsystem für Luftverschmutzung.
Die Wahrnehmung über ein “Alter Ego”, die Identifikation mit diesem sowie die Sorge um dessen Wohl steigern dabei wahrscheinlich die Akzeptanz der Botschaft. Die Rückschlüsse auf die eigene Gesundheit werden in keiner Weise vorgegeben, sondern sollen selbst getroffen werden.
Der Klingelton des Mobiltelefons dient dabei als direkte Referenz der Umwelt. Da Anrufe über den Tag verteilt immer wieder eingehen, wird zu unterschiedlichen Zeitpunkten, auch ohne dass Aufmerksamkeit bewusst auf die Thematik gelenkt werden muss, auf die aktuelle Umgebung aufmerksam gemacht. Ein Anruf liefert, auch ohne angenommen zu werden, interessante Metainformationen. Hier besteht eine Ähnlichkeit zu Myriel Milicevic’s Thesis-Projekt “Neighbourhood Satellites”: Ein mobiles Device, das uns normalerweise von unserer direkten Umgebung ablenkt und unsere Sensibilität gegenüber dieser vermindert, verbindet uns wieder mit unserem Umfeld und lässt es und in Echtzeit gesteigert wahrnehmen.
Zu untersuchen gilt es auch, in wie weit die Möglichkeit besteht, die Realwelt in einer virtuellen Umgebung abzubilden. Zu vermuten ist zumindest, dass sich günstige Gebiete mit höherer Lebensqualität und „verseuchte Zonen“ herauskristallisieren. Während die erste Umsetzung von urban bitLife für Wien konzipiert wird, kann es in der Folge sicherlich in weitere Städte übertragen werden. Neben dem innerstädtischen Vergleich unterschiedlicher Zonen mit unterschiedlicher Lebensqualität, ergibt sich so auch ein interurbaner Vergleich.
Adaptation of the urban bitLife concept
Every life form in urban bitLife has a lifecycle. It depends on you, the pet owner, how long this cycle lasts.
* Get your own pet on the web. You can choose between different pets with different attributes.
* Keep your pet alive. Provide it with fresh air, that’s its life elixir.
* Achieve a new high score. Score multipliers are applied if you move through the city a lot.
* If the pet dies because of lack of fresh air you can get a new one from the web, but your total score will be decreased.
Each pet has its lifecycle which duration you can influence. The better you do, the higher your score gets.
Start
Everyone can choose his own virtual pet on the web. That’s the first step to enter urban bitLife. The pets, however, are not equal. Every pet has a specific look and specific attributes. Some are more resistant to polluted air, others gather more energy when exposed to fresh air.
Lifecycle
After you got your pet it always accompanies you (according to your GPS position). The life and survival of the pet is linked to and dependant on you. As it is exposed to the same environmental conditions it can be seen as your mirror: If the pet suffers from polluted air, this presently also affects your health. You can check the current state as a visualisation on the screen of your phone: You can see the health status and the major pollution loads visualised as bar-charts.
If the pet is exposed to polluted air too long, its health will decrease. The appearance of the life form will change from a healthy to a more ill look. If the exposure is still extended, the pet’s health will decrease until it dies. To keep your pet alive you have to provide it with fresh air. If the pet is getting worse and worse you can find information on the places with the best air quality in your city. Spending some time at those places will help the pet recover and maybe it will help you too.

Score
There are two high scores provided on the web. An individual high score representing a pet’s ongoing development and a total high score for each pet holder.
The individual high score is linked to a pet and means some kind of experience score to the pet. At the beginning, after you chose a pet, the score is set zero. The score increases at a fixed value every hour. The longer the pet lives, the higher the score gets. If the pet is moved around in the city a lot and covering long distances, the standard increment to the score is multiplied with the distance.
The total high score is linked to the pet holder and shows that it is essential to keep a pet alive: If a pet holder kills one pet after the other his total score will decrease. It is calculated by the overall sum of scores achieved with all pets, divided by their amount. The resulting value defines the owner’s qualification as a pet holder and his sense of responsibility or, interpreted differently, the quality of the air he spends the whole day in.
Im Folgenden soll die Projektidee zu urban bitLife, wie anfangs ausgearbeitet war, näher beschrieben werden. urban bitLife basiert auf dem Projekt bitLife, einer Software zur Simulation künstlichen Lebens.
In einer künstlichen Welt mit verschiedenen Lebensräumen werden Pflanzen und Kreaturen bzw. Tiere mit unterschiedlichen Eigenschaften (Größe, Geschwindigkeit, Lebenserwartung, Sichtweite, Lebensraum, usw.) ausgesetzt. Die Kreaturen leben danach selbstgesteuert, d.h. sie suchen Nahrung und Sexualpartner und vermehren sich. Ziel ist es nun, ein ausgewogenes System zu schaffen, in dem Fleisch- und Pflanzenfresser gleichermaßen überleben können. Um die Simulation möglichst wirklichkeitsnahe zu gestalten, wurde auf eine realitätsnahe Darstellung von Evolution viel Wert gelegt. Kreaturen können mutieren, was Artenvielfalt und höhere Überlebenschancen ermöglicht. Der Spieler kann selbst entscheiden, ob er in diesen Ablauf eingreifen oder “seine” Lebewesen nur beobachten will.
bitLife wurde 2003 von sechs Studenten des Studiengangs Medientechnik und -design der Fachhochschule Hagenberg realisiert. Nähere Informationen über bitLife und das Projektteam entnehmen Sie bitte der bitLife Homepage.
urban bitLife erweitert bitLife auf den urbanen Raum. Die Kreaturen leben nun nicht mehr in Klimazonen einer virtuellen Welt, sondern können vom User an bestimmte Stellen in der Stadt gesetzt werden. Tatsächliche, gemessene Bedingungen in der Stadt stellen die aktuellen Lebensbedingungen der Kreaturen dar und beeinflussen ihre Lebens- und Überlebenschancen.
Folgende Werte könnten dabei gemessen werden und in das System einwirken: Positiv wirken sich auf die Vitalität der Tiere Licht, Sauerstoff und Luftfeuchtigkeit (und eventuell gemäßigte Temperatur) aus. Ungünstige Bedingungen sind zum Beispiel ein hoher Grad an Elektrosmog, Feinstaub, UV-Strahlung, Lärmpegel oder Gasen wie Ozon, Stickstoffdioxid, Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid usw.
Fixe Messstationen, die in der Stadt verteilt sind, messen und streamen diese Werte kontinuierlich, was sich direkt auf die Vitalität der Kreaturen auswirkt. Der User kann, nachdem er Tiere erzeugt und in der Stadt ausgesetzt hat, die aktuellen Zustände der Tiere und ihre Lebenszyklen online oder auf seinem Mobiltelefon bzw. jeder anderen Art eines handheld device beobachten.
Varianten
In der ersten Stufe kommen die Werte ausschließlich von Messstationen, die in der Stadt bereits vorhanden sind. Die Kreaturen können vom User positioniert und beobachtet werden, beeinflussen kann er deren Überleben jedoch nur durch Platzierung an einer anderen Stelle.
In der zweiten Phase wird der Bereich der Messstationen durch mobile Messgeräte die vom User mitgeführt werden erweitert. Ebenso wäre eine Datengewinnung durch Messgeräte an Citybikes denkbar. Nun bietet sich dem User die Möglichkeit die erschaffene Kreatur lokal an Personen zu binden, das heißt selbst mitzuführen oder anderen Personen zu überlassen, und auf einem Pfad durch die Stadt zu bewegen. Denkbar wäre auch, dass Tiere erst durch die Bewegung eines Users mit einem Messgerät durch die Stadt und die dadurch eintretende Datengewinnung, erzeugt werden. Eine andere Variante ist, Kreaturen nach der Erschaffung an bestimmte Orte zu führen, abzusetzen, zu besuchen und wieder abzuholen.
Der Zustand und die Überlebenschancen können nun deutlich mehr beeinflusst werden, ebenso wird die direkte Wahrnehmung der Umwelt erweitert und gesteigert. Die Pfade weichen von etablierten „Messzentren“ ab und spannen ein feineres Netz durch die Stadt, das Empfinden der Umwelt und die Anwendung der Software werden individueller und vielfältiger.
Aspekte
Zu untersuchen gilt es, in wie weit sich reale, aktuelle Geschehnisse in urban bitLife widerspiegeln können und dadurch die Möglichkeit besteht die Realwelt in einer virtuellen Umgebung abzubilden. Zu vermuten ist zumindest, dass sich günstige Gebiete mit höherer Lebensqualität und „verseuchte Zonen“ herauskristallisieren. Während die erste Umsetzung von urban bitLife für Wien konzipiert wird, kann es in der Folge sicherlich in weitere Städte übertragen werden. Neben dem innerstädtischen Vergleich unterschiedlicher Zonen mit unterschiedlicher Lebensqualität, ergibt sich so auch ein interurbaner Vergleich.
Interessant ist auch der von Myriel Milicevic in seinem Thesis-Projekt Neighbourhood Satellites beschriebene Umstand, dass die Wahrnehmung von Umwelteinflüssen durch ein mobiles Device, das uns normalerweise von unserer direkten Umgebung ablenkt und unsere Sensibilität für das was um uns geschieht erheblich vermindert, uns in diesem Fall wieder mit unserem Umfeld verbindet und es uns in Echtzeit gesteigert wahrnehmen lässt.
Reizvoll ist auch die teilweise Affinität zu dem Elektronikspielzeug Tamagotchi. Ebenso wie bei Tamagotchi kann ein Tier, nachdem es erzeugt wurde, gepflegt werden und sein Überleben positiv (oder negativ) beeinflusst werden. Die „Konfiguration“ eines Tieres erinnert zudem auch an die Schaffung und Entwicklung eines Charakters in einem Rollen- oder Computerspiel. Unter widrigen Umständen überlebt der am besten Angepasste, was auf Darwins Evolutionslehre verweist und somit wieder den Kreis zur realistischen Lebenssimulation schließt.